Unikat statt Markenrad?

unikat-order-markenfahrradUnikat statt Markenrad? Was ist denn damit gemeint? Je teurer ein Fahrrad aussieht, desto interessanter ist es  für Diebe und andere Kriminelle – aber ist dem wirklich so? Ich behaupte mal nein!

Schauen wir uns einmal an, warum Fahrräder gestohlen werden: Ein kleiner Teil der Fahrraddiebstähle lässt sich in die Kategorie „Kneipenklau“ verbuchen.

Hier ist der Dieb ein angetrunkener oder besoffener Besucher einer Kneipe, Disko oder ähnlichem. Sein Geld hat er gerade komplett versoffen und kann sich kein Taxi leisten, der letzte Bus ist seit Stunden weg. Also trottet er los, sieht plötzlich ein Fahrrad stehen das nicht oder nicht ausreichendgesichert ist. Ohne zu überlegen nimmt er es sich um schnell in sein ersehntes Bett zu kommen. Das geklaute Fahrrad schmeißt er dann einfach in der Nähe seiner Wohnung in ein Gebüsch oder Tümpel.

Solche Diebstähle sind nicht geplant und nicht vorbereitet. Sie passieren meist nur, weil sich die Gelegenheit dazu bietet, sprich: Der Besitzer vergaß, es mit einem Fahrradschloss zu sichern. Solche angetrunkenen haben allerhöchstens ein Taschenmesser als Werkzeug dabei, und damit bekommt man ein Fahrradschloss nicht auf.

Die zweite Kategorie sind die, welche gezielt zum Klauen losziehen und damit ihren Lebensunterhalt teilweise oder komplett bestreiten. Das sind Menschen, die vor einem Radschloss nicht halt machen.

Wieso auch, sie haben immer das passende Werkzeug dabei, entweder einen kleinen Bolzen oder Seitenschneider. Diese Profis sind sogar bei Tageslicht unterwegs und kennen sich bestens mit den unterschiedlichen Schloss-Typen aus. Sie erkenn bereits von weitem, ob sie in der Lage sind, das jeweilige Schloss öffnen zu können.

Wenn ein solcher Dieb ein für ihn einfach zu knackendes Schloss findet, schaut er sich ersteinmal das Fahrrad an, denn es wird nicht wahllos alles geklaut, was zwei Räder hat.

Ziel eines solchen Beutezugs ist es, so viel Geld wie möglich zu machen. Das heißt, die geklauten Fahrräder werden in irgendeiner Form zu Geld gemacht. Entweder als ganzes Rad, oder in Teilen.

Ein gutes Rad, welches man heutzutage für 500,- € im Hand zu kaufen is, wird man ohne größere Umstände für 50 bis 100 ,- € los. Für ein höherwertiges Rad bekommt man entsprechend mehr Geld.

Anders sieht es jedoch bei Design- oder Einzelstücken aus. Sowas kann man nicht mal eben über Kleinanzeigen oder Ebay verkaufen, denn bei so einem Rad schauen die meisten doch schon genauer hin.

Dazu kommt, dass solche Unikate einfacher wiedergefunden werden. Heißt: Das Risiko beim Verkauf erwischt zu werden, ist deutlich höher, als bei einem normalen Markenrad. Darum würde die meisten Diebe auch lieber ein „normales“ Markenfahrrad als ein daneben stehendes Unikat klauen.

Ein weiterer Vorteil von Unikaten oder auch nur normalen aber sehr auffälligen Rädern ist das Interesse der Passanten. An einem Fahrrad-„Parkplatz“ gehen die meisten Passanten stur vorbei ohne einen Blick auf die Räder zu werfen. Niemand achtet darauf, ob sich gerade jemand an einem Fahrradschloss zu schaffen macht.

Steht dort aber ein sehr auffälliges Rad, so zieht das auch automatisch die Blicke anderer auf sich und zwangsläufig schaut man mal hin, um zu sehen, wer denn mit so einem verrückten Rad unterwegs ist.

Das bedeutet: Es fällt schnell auf, wenn sich jemand ohne passenden Schlüssel an dem Schloss zu schaffen macht. Und selbst wenn in diesem Augenblick niemand die Courage hat einzugreifen, so hat man eine hohe Chance, hinterher einen Zeugen zu finden, der eine Personenbeschreibung geben kann.